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Herbst


Du gehörst zu meinem Leide

Du gehörst zu meinem Glück.

 

1.

 

In meinen späten Tagen

Was treibst du, altes Herz?

Was will dein tolles Schlagen,

Dein wonnevoller Schmerz?

 

Der Maienthau, die Thränen,

Die du ins Aug′ mir drängst?

Was will dieß Frühlingssehnen,

Da Herbst es worden längst?

 

Verstummt sind alle Lieder,

Die Wälder stehn entlaubt,

Schneeflocken rieseln nieder

Aufs Feld und auf mein Haupt.

 

Gewölke schwer und bleiern

Im kalten Luftrevier,

Das Thal in Nebelschleiern, –

Mein Herz, wie steht′s in dir?

 

Die Sommerfäden wiegen

Zerrissen sich im Raum;

Mir ist als säh′ ich fliegen

Von einst den eignen Traum.

 

Die Schwalben mußten wandern

Und all mein Hoffen auch,

Verblaßt ist mit dem andern

Mein Grün im Windeshauch.

 

 

2.

 

Natur in ihrer Trauer,

Im Welken und Vergehn,

Ließ mich mit heil′gem Schauer

Ein holdes Räthsel sehn.

 

Vereinsamt noch am Strauche

Nur eine Rose hing,

Ein Spätling, dessen Hauche

Ein duft′ger Zauberring.

 

Sie trotzt dem rauhen Wetter

Und hütet, lenzgeweiht,

Im Rahmen weicher Blätter

Die ganze Rosenzeit.

 

Vergessen an der Hecke

Noch eine Traube hing,

Die in dem Blattverstecke

Dem Keltertod entging.

 

Im Frost noch birgt die Schale

Voll Würz′ und Süßigkeit

Die Gluth vom Sommerstrahle,

Das Gold der Sonnenzeit.

 

Was ich da außen sehe,

Wie ist′s dem innen gleich!

Mir wird davon so wehe,

So wonnevoll zugleich.

 

Mein Herz, du theilst die Loose

Hast Nebel, Frost und Dorn,

Hast deine letzte Rose

Und deinen Feuerborn.

 

Daß auch dein Lenz nicht fehle

Erwacht mein Jugendlied,

Auf dem die ganze Seele

Zu ihr, zu ihr nur zieht.



(* 11.04.1808, † 12.09.1876)




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