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Gastrecht


Alexander Ypsilanti stürzt vom Schlachtfeld kampferhitzt,

Wo die Freiheit ihres Blutes letzten Tropfen hat verspritzt,

Wo er einen hohen Orden sich gewonnen, unbewußt,

Eine schöne Heldenwunde, klaffend vorn an seiner Brust.

 

So mit stolzer Purpurrose seinen Busen ausgeschmückt,

In der Hand den Stumpf des Schwertes, kampfzerbrochen und zerstückt

Tritt der Held auf Oestreichs Boden, – o beträt’ er ihn doch nicht!

Beut vertrauend uns die Hände, tritt an unsern Herd und spricht:

 

»Wenig ist’s, darum ich flehe! Gebt mir Linnen zum Verband,

Laßt an eurer Luft mich laben, und erfreu’n an eurem Land!«

Mächt’ger als der Mund des Gastes spricht sein rinnend Heldenblut!

Und sie heißen ihn willkommen, und zu bleiben wohlgemuth:

 

»Munkats ist ein hübsches Schlößlein, Luft und Aussicht schön und rein!

Nur beschränkt euch noch einstweilen auf ein einz’ges Fensterlein;

An Verband soll’s auch nicht fehlen, der wohl fest und gut euch paßt,

Scheint er auch zu sein von Eisen, gleicht er auch den Ketten fast.« –

 

Durch sein Gitterfenster nieder blickt der Griechenheld aufs Land,

Das in schwelgerischer Fülle zaubervollen Lenzes stand:

»O wie können Rosen duften, Saat und Frucht noch schwellen dicht,

Saft’ge Reben lockend winken, wo des Gastes Recht man bricht?« –

 

Sieben lange Jahr’ in Ketten dort der Leu aus Hellas lag.

Sieh, nun löst man sie, daß wieder frei mit uns er wandeln mag!

Aber kaum nach sieben Tagen brach der Tod sein Herz entzwei!

Traun, mich dünkt, daß er gestorben wohl an unsrer Freiheit sei!



(* 11.04.1808, † 12.09.1876)




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