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Der Ring


Ich saß auf einem Berge

Gar fern dem Heimatland,

Tief unter mir Hügelreihen,

Thalgründe, Saatenland!

 

In stillen Träumen zog ich

Den Ring vom Finger ab,

Den sie, ein Pfand der Liebe,

Beim Lebewohl mir gab.

 

Ich hielt ihn vor das Auge,

Wie man ein Fernrohr hält,

Und guckte durch das Reifchen

Hernieder auf die Welt:

 

Ei, lustiggrüne Berge

Und goldnes Saatgefild,

Zu solchem schönen Rahmen

Fürwahr ein schönes Bild!

 

Hier schmucke Häuschen schimmernd

Am grünen Bergeshang,

Dort Sicheln und Sensen blitzend

Die reiche Flur entlang!

 

Und weiterhin die Ebne,

Die stolz der Strom durchzieht;

Und fern die blauen Berge,

Grenzwächter von Granit!

 

Und Städte mit blanken Kuppeln,

Und grünes Wälderreich,

Und Wolken, ziehend zur Ferne,

Wohl meiner Sehnsucht gleich!

 

Die Erde und den Himmel,

Die Menschen und ihr Land,

Dieß Alles hielt als Rahmen

Mein goldner Reif umspannt.

 

O schönes Bild, zu sehen

Vom Ring der Lieb’ umspannt

Die Erde und den Himmel,

Die Menschen und ihr Land!



(* 11.04.1808, † 12.09.1876)




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