Nach oben

Apostasie


Hie Welf! Hie Waiblinger! Laß sehn!

Nur schwanke nicht hin und her!

Du kannst, ein Ehrenmann, auch stehn

Gegenüber im Feindesheer.

 

Magst Bär im Geklüft, magst Falk’ im Licht,

Nur Fledermaus nicht sein;

Sei Palme oder Eiche, nur nicht

Das Schlingkraut zwischen den Zwei’n!

 

Ob Wahn, ob Wahrheit dein Panier!

Wer löst’s, wem glaube dein Herz?

Am Feuer der Treue läut’re dir

Zu Gold unechtes Erz!

 

Wer trommelnd, trompetend mit uns geht,

Der bessere Held ist’s nicht,

Doch der, so fest zur Fahne steht,

Wenn er kein Wort auch spricht.

 

Doch schmäht nicht den Mann, der, drüben itzt,

Bei unsrer Fahn’ einst stund!

Sein Blut, schon einst für uns verspritzt,

Ein Siegel ist’s meinem Mund.

 

Ich sah auch Locken, braun und lang,

Zu dünnem Schnee verwehn,

Manch nervigen Arm, der das Schwert einst schwang,

Betkügelchen zitternd drehn.

 

Ich sah’s, wie Fieber des Weisen Wort

In Unsinns Gräuel zerbrach,

Ich hörte den Thoren im Irrsinn dort,

Der Perlen der Weisheit sprach.

 

Ich sah den Raufbold friedlich gemacht,

Verwittert der Jugend Roth,

Den Schwätzer zu ewigem Schweigen gebracht!

Wer kann für Krankheit und Tod?

 

Will’s Gott, so lang ich gesund, erspäht

Bei diesen Fahnen ihr mich!

Wahr’s Gott, wenn ihr je mich drüben säht,

Dann krank oder todt wär’ ich.

 

Denkt mein wie eines Todten dann;

Es mag wohl bitter sein,

Vorbeizugehn als lebend’ger Mann

Am eignen Leichenstein.



(* 11.04.1808, † 12.09.1876)




Bewertung:
0/5 bei 0 Stimmen

Kommentare

Mit dem Eintragen Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer angegebenen Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung einverstanden.
  • Noch kein Kommetar vorhanden!