In gelben Fenstern trinken Schatten heißen Tee.

Sehnsüchtge wiegen sich auf hartem Schimmerteiche.

Arbeiter finden eine sanfte Damenleiche.

Johlende Dunkle werfen glimmend blauen Schnee.

 

An hohen Stangen hängt, verfleht, ein Streichholzmann.

Kaufläden flackern trüb durch frostbeschlagne Scheiben,

Vor denen Menschenleiber wie Gespenster treiben.

Studenten schneiden ein erfrornes Mädchen an.

 

Wie lieblich der kristallne Winterabend brennt!

Schon strömt ein Platinmond durch eine Häuserlücke.

Bei grünlichen Laternen unter einer Brücke

Liegt ein Zigeunerweib. Und spielt ein Instrument.


Das Gedicht "Winterabend" stammt von (* 1889-08-23, † 1914-09-25).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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