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Wie ich sterben möchte


Es müßte tief im späten Sommer sein,

In seiner allerletzten Vollmondnacht -

Und in den Lüften schliefe noch ein Duft

Von blühnden Hecken und von reifem Korn.

Die Wälder schlössen ihrer Stämme Nacht

Zum Purpurdunkel - wie ein fürstlich Grab,

Das auf ein müdes Leben harrt; - und fern

Erklänge eines Wandervogels Ruf ...

Vom Himmel sänken goldne Tropfen leis,

Verirrte Lichter, die von Sternen fall′n -

Und sie verstiebten in die große Nacht ...

 

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Doch plötzlich bliche wie in Schatten hin

Das Mondesleuchten und die Sternenglut -- --

Denn von den Matten her, vom Waldessaum,

Käm′ wandelnd deine stolze Lichtgestalt.

Sehnsüchtig winktest du mit müder Hand -

Es leuchtete dein Blick von Tränen so -

Und du riefst bang: "Sag, was versteckst du dich?

In allen Erdengründen sucht′ ich dich!"

Ich aber säh′ dich furchtsam lange an,

Ob du ein Herbstgespinst der Heide seist;

Und langsam rührt′ ich dir an Haupt und Herz -

Doch die erbebten noch von Lebensglut.

Und ich rief laut: "Du bist es, du, mein Lieb!

O Gott, so sind wir sehnend uns entflohn,

Denn ich auch suchte dich durch alle Welt;

So hat das Schicksal arg mit uns gespielt." ...

Drauf sagtest du wie mit entrücktem Ton

Und legtest letzte Blume mir ins Haar:

"Bist du vom Wandern auch so sterbensmüd?"

Ich nickte still - du bögest dich herab,

Ein voller Mondstrahl fiel auf deine Stirn -

Und deine Lippen, die ich jugendlang

Und heiß gesucht, berührten meinen Mund ...

 

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Dann aber rief ich selig in die Nacht:

"Das ist die Zeit, ins Paradies zu gehn -

Der Himmelsweg ist offen - stirb mit mir!" -



(* 05.05.1849, † 13.04.1923)




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