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Der kleine Franz


Gestern noch im muntern Spiel

Mit den Seifenblasen

Sprang er viel und lachte viel

Auf dem grünen Rasen;

Abends drauf von meinen Knien

Späht′ er nach den Sternen;

Jeden, der am Himmel schien,

Wollt′ er kennen lernen.

 

"Gute Nacht nun! Morgen dann

Mir erzählst du weiter!"

Und er lächelte mich an,

Hüpfte fort so heiter;

Gestern noch so frisch im Glanz

Seiner sieben Jahre,

Liegt er heut, der kleine Franz,

Auf der Totenbahre.

 

Zarter Knabe, der du bang

Sonst im Finstern zagtest,

Sprich, wie du den großen Gang

Durch das Dunkel wagtest?

Wagtest, in den Schlund, davor

Alle zitternd stehen,

Durch das schwarzverhängte Tor

So allein zu gehen?

 

Seit dem letzten Sonnenstrahl

O wie weit die Reise!

Weiter, weiter tausendmal,

Als vom Kind zum Greise!

Jüngst erst auf der Mutter Schoß,

Ihr am Busen lagst du,

Nun die Größten riesengroß

Plötzlich überragst du.

 

Und mit allem, was ich kann,

Was ich bin und habe,

Nichts vermag ich dir fortan

Mehr zu lehren, Knabe;

Weiser du als Sokrates,

Ich an Geist erblindet,

Alles, alles weißt du es,

Was wir nie ergründet.

 

Lächelnd blickst auf uns du nun,

Denen du entrissen;

Kindisch dünkt dich unser Tun,

Unser Sein und Wissen.

Seit du über mich so hoch

Bist erhöht, o Kleiner,

Nur mit heil′gem Schauer noch

Denken kann ich deiner.



(* 02.08.1815, † 14.04.1894)




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