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Dembinski


Blauer Niemen, blauer Niemen,

Wie viel Blut hast du getrunken,

Blut wie vieler edlen Polen,

Die an dir dahingesunken!

 

An dein Ufer wankt Dembinski,

Auf der Brust die Sterbewunde;

Trauernd um den Feldherrn drängen

Sich die Krieger in der Runde.

 

»Legt mich nieder! Nicht erreich′ ich

Mehr den Jenseitstrand, ihr Lieben;

Doch das eine laßt mich wissen,

Ob er unser noch geblieben!«

 

Und dem Winke folgen drei;

An den Fluß dahingetreten,

Blasen sie das Lied der Polen

Auf den rostigen Drommeten.

 

Stille dann, und alle lauschen,

Lauschen bang, - zu ihren Ohren,

Horch! von drüben schallt es da:

»Noch ist Polen nicht verloren!«

 

Freudeweinend liegen alle

Sich in Armen fest umschlungen;

Aufgerichtet steht der Feldherr,

Bis das teure Lied verklungen.

 

Dann zur Erde sinkt er nieder:

»O, nun mag mein Herzblut fließen!

Nun ich diesen Klang vernommen,

Will ich gern die Augen schließen.«



(* 02.08.1815, † 14.04.1894)




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