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Auf dem Turm des Seraskiers


Welch Brausen um mich her? Mir ist, als wehte

Ein Schöpfungsodem durch die Welt,

Da unten sich die Kaiserin der Städte

Im ersten Tagesstrahl erhellt.

 

Herein durchs Klippenthor der Symplegaden

Melodisch saust der Bosporus

Und giebt, aufschäumend an den Felsgestaden,

Zwei Welten seinen Wogenkuß.

 

Die Morgenwinde jagen Segelboote

Heran vom blauen Hellespont;

Fern strahlt das Schneehaupt des Olymp, vom Rote

Des nahen Lichtgestirns besonnt;

 

Und hoch und höher leuchten auf die Dome,

Und weiße Minarete glühn,

Friedhöfe, Brunnen, mächt′ge Hippodrome

Aus dunkelndem Cypressengrün.

 

Doch über all der Pracht mit trübem Blicke

Seh′ ich am Horizonte schon

Die düstre Wetterwolke der Geschicke,

Schwer von der Zukunft Schrecken, drohn;

 

Ja, seh′ auf hochbeschäumten Wogenpfaden

Im weltverheerenden Orkan,

Mit Blitzen und mit Wirbelwind beladen,

Die Flotten aller Länder nahn.

 

Schlachtdonner und Gekrach und Flammenzischen,

Wenn Tod die Feuerschlünde spein,

Wird bald gen Himmel schallen, und dazwischen

Von Sterbenden das Jammerschrein.

 

Wie bleich dort durch des Morgens Purpurdämpfe

Der Halbmond über Stambul blinkt!

O Zeit der Wehen und der Todeskrämpfe,

Bevor er ganz hinuntersinkt!



(* 02.08.1815, † 14.04.1894)




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