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An F.L.


Ein sanfter Friedensodem haucht mich an,

Wenn ich dein Haus, o frommer Greis, betrete,

Als ob mir milde Luft entgegenwehte

Vom Hirtenlande Kanaan.

 

Wer gab dir Macht, dir im Gewühl der Welt

Die tiefe Seelenstille zu bewahren,

Wie einer, der seit seiner Kindheit Jahren

Geruht im Patriarchenzelt?

 

Ob rings die Erde von der Völker Streit

Erzitterte und von der Reiche Fallen:

Nicht eine Stunde trübte bei dem allen

Sich deiner Seele Heiterkeit.

 

Der Mitwelt fern und dem, was sie erstrebt,

Hast du mit jenen, welche nie veralten,

Der Vorzeit großen, heiligen Gestalten,

Einfach und schlicht wie sie gelebt;

 

Und während Zielen nach, die keiner kennt,

Wir ruhlos hasteten auf irren Pfaden,

Warst du im Geist bei friedlichen Nomaden

Im ewig hellen Orient.

 

Dort zogst du mit dem Karawanenzug

Hin über glüh′nde Fläche, nackte Kuppe,

Und mittags tränkte bei der Palmengruppe

Rebekka dich aus ihrem Krug.



(* 02.08.1815, † 14.04.1894)




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