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An Elisabeth v. K.


In deiner Seele mildem Lichte

Ist mir der Frühling aufgeblüht;

Gereift sind meine ersten Früchte,

Allein von ihrem Strahl durchglüht.

 

Als, sich vom Staub empor zu ringen,

Mein Geist noch matt die Flügel schlug,

Liehst du ihm, Freundin, Kraft der Schwingen

Und sporntest ihn zu kühnem Flug.

 

Die Sehnsucht, die zu lichtern Räumen

Sich aufschwingt aus dem dunklen Hier,

Der Seele Rausch in hohen Träumen

Als Lebensmitgift gabst du mir.

 

Mit mir auf allen meinen Wegen

Zogst du als Schutzgeist ungesehn,

Und deiner Lippen milden Segen

Fühlt′ ich um meine Stirne wehn.

 

Bei Nacht zu meinen Augenliden

Hat sich im Traum dein Bild gesenkt,

Bis es das Herz mit stillem Frieden

Zum Ueberfließen mir getränkt.

 

Für alles, was du mir gegeben,

Wo wär′ ein Dank, der nicht zu klein?

Von einem vollen, ganzen Leben

Die Ernte dacht′ ich dir zu weihn.

 

Nun, da du sankst zum frühen Grabe,

Am kalten Marmor hingekniet

Hab′ ich für dich nicht andre Gabe

Als Thränen und dies arme Lied.



(* 02.08.1815, † 14.04.1894)




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