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Abendgang


In der Schlucht beim Abenddämmern

Schreit′ ich durch den düstern Wald.

Stille ringsum in den Zweigen;

Nur daß leise durch das Schweigen

Von den fernen Eisenhämmern

An mein Ohr ein Pochen schallt.

 

Und auf viel verschlungnen Wegen

Des Gedankens irrt mein Geist,

Sinnt dem Rätsel nach, dem alten,

Welcher Macht geheimes Walten

Finstern Zielen uns entgegen

Durch Geburt und Sterben reißt.

 

O der Mensch mit seinem Wollen,

Wie er ringt und wie er strebt!

Seine Wünsche unermessen;

Dann zu ewigem Vergessen

Ruht er unter kalten Schollen,

Gleich als hätt′ er nie gelebt!

 

Und die Seele fühl′ ich schwanken

Unter schwerer Zweifel Wucht;

Wieder aus der Felsenenge

Winden sich ans Licht die Gänge;

Doch, o Abgrund der Gedanken,

Führt ein Pfad aus deiner Schlucht?



(* 02.08.1815, † 14.04.1894)




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