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Jungfrau von Stubbenkammer


Ich trank in schnellen Zügen

Das Leben und den Tod

Beim Königsstuhl auf Rügen

Am Strand im Morgenrot.

 

Ich kam am frühen Tage

Nachsinnend einsam her,

Und lauschte dem Wellenschlage,

Und schaute übers Meer.

 

Wie schweifend aus der Weite

Mein Blick sich wieder neigt,

Da hat sich mir zur Seite

Ein Feenweib gezeigt.

 

An Schönheit sondergleichen

Wie nimmer Augen sahn,

Mit goldner Kron und reichen

Gewändern angetan.

 

Sie kniet′ auf Felsensteinen

Umbrandet von der Flut,

Und wusch mit vielem Weinen

Ein Tuch, befleckt mit Blut.

 

Umsonst war ihr Beginnen,

Sie wusch und wusch mit Fleiß,

Der böse Fleck im Linnen,

Erschien doch nimmer weiß.

 

Da sah sie unter Tränen,

Mich an, und bittend fast;

Da hat ein heißes Sehnen

Mich namenlos erfaßt.

 

"Gegrüßt sei mir, du blendend,

Du wundersames Bild! - - "

Sie aber, ab sich wendend,

sprach schluchzend, aber mild:

 

Ich weine trüb und trüber,

Die Augen mir und blind,

Gar viele ziehn vorüber,

und nicht ein Sonntagskind.

 

Nach langem bangen Hoffen,

Erreichst auch Du den Ort -

Oh, hättest Du getroffen

zum Gruß das rechte Wort!

 

Hättst Du Gott helf! gesprochen,

ich wär erlöst und dein,

Die Hoffnung ist gebrochen,

Es muß geschieden sein!" -

 

Da stand sie auf zu gehen,

Das Tuch in ihrer Hand,

Und, wo die Pfeiler stehen,

Versank sie und verschwand.

 

Ich trank in schnellen Zügen

Das Leben und den Tod

Beim Königsstuhl auf Rügen

Am Strand im Morgenrot.



(* 30.01.1781, † 21.08.1838)




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