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Das Schloss Boncourt


Ich träum′ als Kind mich zurücke,

Und schüttle mein greises Haupt;

Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder,

Die lang ich vergessen geglaubt?

 

Hoch ragt aus schatt`gen Gehegen

Ein schimmerndes Schloß hervor,

Ich kenne die Thürme, die Zinnen,

Die steinerne Brücke das Thor.

 

Es schauen vom Wappenschilde

Die Löwen so traulich mich an,

Ich grüße die alten Bekannten,

Und eile den Burghof hinan.

 

Dort liegt die Sphinx am Brunnen,

Dort grünt der Feigenbaum,

Dort, hinter diesen Fenstern,

Verträumt′ ich den ersten Traum.

 

Ich tret in die Burgkapelle

Und suche des Ahnherrn Grab,

Dort ists, dort hängt vom Pfeiler

Das alte Gewaffen herab.

 

Noch lesen umflort die Augen

Die Züge der Inschrift nicht,

Wie hell durch die bunten Scheiben

Das Licht darüber auch bricht.

 

So stehst du, o Schloß meiner Väter,

Mir treu und fest in dem Sinn,

Und bist von der Erde verschwunden,

Der Pflug geht über dich hin.

 

Sei fruchtbar, o theurer Boden,

Ich segne dich mild und gerührt,

Und segn ihn zwiefach, wer immer

Den Pflug nun über dich führt.

 

Ich aber will auf mich raffen,

Mein Saitenspiel in der Hand,

Die Weiten der Erde durchschweifen,

Und singen von Land zu Land.



(* 30.01.1781, † 21.08.1838)




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