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Die Uhr der Liebe


Wie die Stunden rennen

Mir an Liebchens Seit′,

Auf der Zunge brennen

Lieb′ und Heimlichkeit;

Soll ich ihr bekennen,

Was im Herzen brennt,

Und wie soll ich nennen,

Was sie noch nicht kennt?

 

Herz, sei doch zufrieden,

Sie still anzusehn,

Würden wir geschieden,

Müßtest du vergehn;

Schweige, noch hienieden

Ward es nicht so schön,

Daß in sel′gem Frieden

Zweie sich ansehn. –

 

Wie die Stunden schleichen

Fern von ihm verbracht,

Gib ein einzig Zeichen,

Sternenhelle Nacht,

Gib ein einzig Zeichen,

Ob er wieder liebt,

Frühling will verstreichen

Und kein Zeichen gibt.

 

Und die Sterne lachen

Mich zum Hohne an,

Und der Mondennachen

Mir nicht helfen kann;

Ruhlos treibt der Nachen

Durch die Sterne hin,

Herz, auch du mußt wachen,

Schlafen wär′ Gewinn.

 

Herz, du könntest träumen

Eine Fahrt so schön,

Sähst zu sel′gen Räumen

In der Nacht Getön;

Nachtigall auf Bäumen,

Dich versteh ich nun,

Willst das Feld nicht räumen,

Kannst darin nicht ruhn.



(* 26.01.1781, † 21.01.1831)




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