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Alte Prophezeihung eines nahen Krieges


(Badische Wochenschrift 1806. S. 256.)

 

Es wird am Sankt Mattheus Tag

Die Sonne treten in die Wag′,

Des sey die Armuth recht beklagt;

Der Friede wird ihr abgesagt,

Und auch darzu dem ganzen Land.

Der alte Feind ist wohl bekannt,

Er zieht daher von Mitternacht,

Mit großer Heereskraft und Macht,

Quartier macht ihm ein wild Gesind,

Der kalte Regen der rauhe Wind,

Dann flüchte jeder in die Gruben

Kartoffeln, Kraut, gelb, weiße Ruben.

Mit Erd soll man die Reben decken,

Wenn Frosch und Mücken sich verstecken;

Wenn Kröt und Natter sich verkrochen

Dann wird der wilde Feind anpochen.

Vor ihm wird Storch und Schwalbe fliehen,

Der tapfre Kranich weiter ziehen,

Sein Vortrab kömmt mit kalten Reifen,

Dann soll das Volk zur Rüstung greifen,

Schnell Fenster und auch Ofen flicken,

Die Stuben verstreichen und verzwiken,

Die Thür mit Tuch und Filz beschlagen,

Die Federbetten herbei auch tragen,

Das Dach mit Stroh und Ziegel bessern,

Kein Krebs mehr fangen in Gewässern,

Kein G′sell und Bub soll bei Ungnaden

Sich fürder mehr im Flusse baden.

Den Lustgärtnern wird abgesagt,

Barfus, Hemdärmel wird verjagt,

Die Nankinghosen ziehn ab zu Haufen,

Die leinen Kittel auch entlaufen,

Die Strohhüt sind betrübt und trauren,

Und von den Dörfern knarrn die Bauren,

Auf Karren leis das Holz herzu;

Die Köhler halten auch kein Ruh,

Sie bringen große Wagen voll Kohlen.

Dann zieht der Feind ganz unverholen

Daher mit kaltschneidender Luft,

Wald und Heck stehn ganz in Duft,

Ein Nacht schnell Wonn und Freud zerstört.

Nun endlich wird das Volk empört,

Das Vieh flüchten sie in die Ställ,

Das Volk sich also wapnet schnell

In Pelz, Rauchmützen und Filzsoken,

Pelzschu, Handschu recht unerschrocken,

Auch zieht es mit großem Heer

Dem Winter zu thun Gegenwehr.

Zähnklappern, Zittern geht da los,

Husch Husch, ist ein Geschreie groß,

In weiß Montur kleidt sich der Nachen,

In blau die Mäuler, in roth die Nasen.

Der Feind wirft einen großen Schnee,

Sein Brücken schimmert auf Fluß und See,

Erstickt die Fisch boshafter weis;

Da haun wir Löcher in das Eis.

Der Feind bringt Schollen und Wassergüß,

Schwellt an mit Eises Fluth die Flüß,

Thut sich die Schiffahrt gar verbitten,

Dann rasseln wir einher auf Schlitten,

Mit Frost wird er das Mühlwerk stellen,

Aber der Müller wird ihn bald prellen,

Mit Feuerhacken, und auch Schlegeln,

Wird er ihn sich vom Leibe flegeln,

Gießt Wasser heiß ihm auf den Pelz,

Bis wieder sich sein Rad umwälz.

Nachdem er ihm den Tag abbrach,

Daß man kaum acht Stund mehr sah,

Steckt an das Volk Talglicht und Schleißen,

Den finstern Winter wegzuschweißen:

Und daß wir all nicht gar erfrieren

Wirds gehn ans Heizen und Feuerschüren,

Die Kohlpfann muß recht scharf heran,

Sich wehre tapfer jedermann.

Gar leicht manch Pelz, manch Rock verbrennt,

Manch Mann erfriert sich Fuß und Händ;

Der Feind wird thun gar großen Zwang,

Als aber die Schlacht währet lang

Giebt sich das frostig Heer zur Flucht,

Jeder ein warme Stube sucht.

Viel wollen gar in Ofen kriechen,

Andre draus nach Beut herumriechen,

Für Beute ist ihnen zugeschworen

Ein feuchte Nas, zwei rothe Ohren,

Hat nun der Feind ganz Oberhand

Und gänzlich unter sich das Land

Gewaltiglich in aller Gränze,

Schreibt - bald das Volk um Hülf dem Lenze,

Daß er komm schnell in kurzen Tagen,

Und helf den Winter weiter jagen.

Da wird der Lenz bald näher gehen,

Wird lassen warme Lüftlein wehen,

Da wird der Winter werden schwach,

Mit Schnee und Frost auch lassen nach.

Der Fried kommt aus der Erde geschossen

Auf Bäumen und auf Büschen sprossen,

Frech werden schaun die grünen Röslein,

Mit aufdrängenden grünen Gräßlein.

Noch wird der Winter nicht gar fliehn,

Wirds Land mit Frost noch überziehn,

Und böslich nochmals überschreien:

Dann bringt der Lenz zur Hilf den Mayen,

Mit seinen linden warmen Lüften,

Jetzt Wald, Berg, Thal erst recht erklüften,

Den Winter werdens von sich schütten,

Die Bäum und Hecken stehn in Blüthen,

Durch Blümlein werden auf den Wiesen,

Die Maienregen sich ergiessen,

Es wird ganz grün in Graß und Laub,

Da wird der Winter matt und taub

Nehmen überwunden die Flucht.

Sein Nachtrab uns noch bös heimsucht,

Mit Ungewitter und kalten Reifen,

Wohl gar des Maien Blüth angreifen.

Dann scheint und schlägt in Siegeswonne,

Mit blankem Schwerdesstrahl die Sonne,

Und dann ist gar der Feind verjagt,

Der Vieh und Leut hätt lang geplagt,

Doch wird er drohn mit hartem Brummen,

Er woll aufs Jahr schon wieder kummen.

Darum so seht euch alle vor,

Weil offen steht dem Feind das Thor

Und sammelt alle Nothdurft ein,

Der Winter dringet schon herein,

Daß jeder sich des Feinds erwehr

Geh er zur Ameis in die Lehr,

Sie sammlet ein und leget hinter,

Daß sie zu zehren hab im Winter.



(* 26.01.1781, † 21.01.1831)




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