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Nachtmusikanten


Hier sind wir arme Narrn

Auf Plätzen und auf Gassen

Und tun die ganze Nacht

Mit unsrer Musik passen.

 

Es gibt uns keine Ruh

die starke Liebesmacht,

Wir stehen mit dem Bogen

Erfroren auf der Wacht.

 

Sobald der helle Tag

Sich nur beginnt zu neigen,

Gleich stimmen wir die Laut,

Die Harfen und die geigen.

 

Mit diesen laufen wir

Zu mancher Schönen Haus

Und legen unsern Kram,

Papier und Noten aus.

 

Der erste gibt den Takt,

der andre bläst die Flöten,

Der dritte schlägt die Pauk,

Der vierte die Trompeten.

 

Ein andrer aber spielt

Theorb und Galischan

Mit gar besonderm Fleiß,

So gut er immer kann.

 

Wir pflegen auch so lang

An einem Eck zu hocken,

Bis wir ein schön Gespenst

Hin an das Fenster locken.

 

Da fängt man alsbald an

Vor der Geliebten Tür

Verliebte Arien

Mit Pausen und Suspier.

 

Und sollten vor der Wacht

Wir endlich weichen müssen,

So macht man, statt der Händ,

Die Läufe mit den Füßen.

 

Und also treiben wir′s

Oft durch die ganze Nacht,

Daß selbst die ganze Welt

Ob unsrer Narrheit lacht.

 

Ach, schönste Phyllis, hör

Doch unser Musizieren

Und laßt uns eine Nacht

In deinem Schoß pausieren.



(* 02.07.1644, † 01.12.1709)




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