Eine Geisterstimme

 

Wo ich sei, und wo mich hingewendet,

Als mein flücht′ger Schatten dir entschwebt?

Hab′ ich nicht beschlossen und geendet,

Hab′ ich nicht geliebet und gelebt?

 

Willst du nach den Nachtigallen fragen,

Die mit seelenvoller Melodie

Dich entzückten in des Lenzes Tagen?

Nur solang sie liebten, waren sie.

 

Ob ich den Verlorenen gefunden?

Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,

Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,

Dort, wo keine Träne wird geweint.

 

Dorten wirst auch du uns wieder finden,

Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;

Dort ist auch der Vater frei von Sünden,

Den der blut′ge Mord nicht mehr erreicht.

 

Und er fühlt, dass ihn kein Wahn betrogen,

Als er aufwärts zu den Sternen sah;

Denn wie Jeder wägt, wird ihm gewogen!

Wer es glaubt, dem ist das Heil′ge nah.

 

Wort gehalten wird in jenen Räumen

Jedem schönen, gläubigen Gefühl.

Wage du zu irren und zu träumen:

Hoher Sinn liegt oft in kind′schem Spiel.


Das Gedicht "Thekla" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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