Wenn Dein Finger durch die Saiten meistert,

Laura, itzt zur Statue entgeistert,

Itzt entkörpert steh′ ich da.

Du gebietest über Tod und Leben,

Mächtig wie von tausend Nervgeweben

Seelenfordert Philadelphia.

 

Ehrerbietig leiser rauschen

Dann die Lüfte, Dir zu lauschen.

Hingeschmiedet zum Gesang

Stehn im ew′gen Wirbelgang.

Einzuziehn die Wonnefülle,

Lauschende Naturen stille.

Zauberin! Mit Tönen, wie

Mich mit Blicken, zwingst Du sie.

 

Seelenvolle Harmonien wimmeln,

Ein wolllüstig Ungestüm,

Aus den Saiten, wie aus ihren Himmeln

Neugeborne Seraphim;

Wie, des Chaos Riesenarm entronnen,

Aufgejagt vom Schöpfungssturm, die Sonnen

Funkelnd fuhren aus der Nacht,

Strömt der Töne Zaubermacht.

 

Lieblich itzt, wie über glatten Kieseln

Silberhelle Fluten rieseln,

Majestätisch prächtig nun,

Wie des Donners Orgelton,

Stürmend von hinnen itzt, wie sich von Felsen

Rauschende, schäumende Gießbäche wälzen,

Holdes Gesäusel bald,

Schmeichlerisch linde,

Wie durch den Espenwald

Buhlende Winde,

 

Schwer nun und melancholisch düster,

Wie durch toter Wüsten Schauernachtgeflüster,

Wo verlornes Heulen schweift,

Tränenwellen der Cocytus schleift.

Mädchen, sprich! Ich frage, gib mir Kunde:

Stehst mit höhern Geistern Du im Bunde?

Ist′s die Sprache, lüg′ mir nicht,

Die man in Elysen spricht?


Das Gedicht "Laura am Klavier" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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