Alles in Deutschland hat sich in Prosa und Versen verschlimmert,

Ach, und hinter uns liegt weit schon die goldene Zeit!

Philosophen verderben die Sprache, Poeten die Logik,

Und mit dem Menschenverstand kommt man durchs Leben nicht mehr.

Aus der Ästhetik, wohin sie gehört, verjagt mand ie Tugend,

Jagt sie, den lästigen Gast, in die Politik hinein.

Wohin wenden wir uns? Sind wir natürlich, so sind wir

Platt; und genieren wir uns, nennt man es abgeschmackt gar.

Schöne Naivität der Stubenmädchen zu Leipzig,

Komm doch wieder, o komm, witzige Einfalt, zurück!

Komm, Komödie, wieder, du ehrbare Wochenvisite,

Siegmund, du süßer Amant, Mascarill, spaßhafter Knecht!

Trauerspiele voll Salz, voll epigrammatischer Nadeln,

Und du, Menuettschritt unsers geborgten Kothurns!

Philosoph′scher Roman, du Gliedermann, der so geduldig

Still hält, wenn die Natur gegen den Schneider sich wehrt.

Alte Prosa, komm wieder, die Alles so ehrlich heraussagt,

Was sie denkt und gedacht, auch was der Leser sich denkt.

Alles in Deutschland hat sich in Prosa und Versen verschlimmert,

Ach, und hinter uns liegt weit schon die goldene Zeit!


Das Gedicht "Jeremiade" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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