I.

Laura, über diese Welt zu flüchten

Wähn′ ich - mich in Himmelmaienglanz zu lichten,

Wenn Dein Blick in meine Blicke stimmt;

Ätherlüste träum′ ich einzusaugen,

Wenn mein Bild in Deiner sanften Augen

Himmelblauem Spiegel schwimmt.

 

Leierklang aus Paradieses-Fernen,

Harfenschwung aus angenehmern Sternen

Ras′ ich in mein trunknes Ohr zu ziehn;

Meine Muse fühlt die Schäferstunde,

Wenn von Deinem wolllustheißen Munde

Silbertöne ungern fliehn.

 

Amoretten seh′ ich Flügel schwingen,

Hinter Dir die trunknen Fichten springen,

Wie von Orpheus Saitenruf belebt;

Rascher rollen um mich her die Pole,

Wenn im Wirbeltanze Deine Sohle

Flüchtig, wie die Welle, schwebt.

 

Deine Blicke - wenn sie Liebe lächeln,

Könnten Leben durch den Marmor fächeln,

Felsenadern Pulse leihn;

Träume werden um mich her zu Wesen,

Kann ich nur in Deinen Augen lesen:

Laura, Laura mein!

II.

Die seeligen Augenblike

an Laura.

 

Laura, über diese Welt zu flüchten

Wähn ich - mich in Himmelmaienglanz zu lichten

Wenn dein Blik in meine Blike flimmt,

Ätherlüfte träum’ ich einzusaugen,

Wenn mein Bild in deiner sanften Augen

Himmelblauem Spiegel schwimmt; -

 

Leyerklang aus Paradises Fernen,

Harfenschwung aus angenehmern Sternen

Ras’ ich in mein trunken Ohr zu ziehn,

Meine Muse fühlt die Schäferstunde,

Wenn von deinem wollustheißem Munde

Silbertöne ungern fliehn; -

 

Amoretten seh ich Flügel schwingen,

Hinter dir die trunknen Fichten springen

Wie von Orpheus Saitenruf belebt,

Rascher rollen um mich her die Pole,

Wenn im Wirbeltanze deine Sole

Flüchtig wie die Welle schwebt; -

 

Deine Blike - wenn sie Liebe lächeln,

Könnten Leben durch den Marmor fächeln,

Felsenadern Pulse leihn,

Träume werden um mich her zu Wesen,

Kann ich nur in deinen Augen lesen:

Laura, Laura mein! -

 

Wenn dann, wie gehoben aus den Achsen

Zwei Gestirn, in Körper Körper wachsen,

Mund an Mund gewurzelt brennt,

Wollustfunken aus den Augen regnen,

Seelen wie entbunden sich begegnen

In des Athems Flammenwind, - - -

 

Qualentzüken - - Paradisesschmerzen! - -

Wilder flutet zum beklommnen Herzen,

Wie Gewapnete zur Schlacht, das Blut,

Die Natur, der Endlichkeit vergessen,

Wagts mit höhern Wesen sich zu messen,

Schwindelt ob der acherontschen Flut.

 

Eine Pause drohet hier den Sinnen,

Schwarzes Dunkel jagt den Tag von hinnen,

Nacht verschlingt den Quell des Lichts -

Leises . . Murmeln . . . dumpfer . . hin . . verloren . .

Stirbt . . . allmählig . . in den trunknen . . . Ohren . . .

Und die Welt ist . . . . Nichts . . . .

 

Ach, vielleicht verpraßte tausend Monde

Laura, die Elisiumssekunde,

All begraben in dem schmalen Raum;

Weggewirbelt von der Todeswonne,

Landen wir an einer andern Sonne,

Laura! und es war ein Traum.

 

O daß doch der Flügel Chronos harrte,

Hingebannt ob dieser Gruppe starrte

Wie ein Marmorbild - - die Zeit!

Aber ach! ins Meer des Todes jagen

Wellen Wellen - über dieser Wonne schlagen

Schon die Strudel der Vergessenheit.


Das Gedicht "Die Entzückung an Laura" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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