Träum′ ich? Ist mein Auge trüber?

Nebelt′s mir ums Angesicht?

Meine Minna geht vorüber?

Meine Minna kennt mich nicht?

Die am Arme seichter Toren

Blähend mit dem Fächer ficht,

Eitel in sich selbst verloren -

Meine Minna ist es nicht.

 

Von dem Sommerhute nicken

Stolze Federn, mein Geschenk,

Schleifen, die den Busen schmücken,

Rufen: Minna, sei gedenk!

Blumen, die ich selbst erzogen,

Zieren Brust und Locken noch -

Ach die Brust, die mir gelogen!

Und die Blumen blühen doch!

 

Geh! Umhüpft von leeren Schmeichlern!

Geh! Vergiss auf ewig mich.

Überliefert feilen Heuchlern.

Eitles Weib, veracht′ ich Dich.

Geh! Dir hat ein Herz geschlagen,

Dir ein Herz, das edel schlug,

Groß genug den Schmerz zu tragen,

Dass es einer Thörin schlug.

 

Schönheit hat Dein Herz verdorben,

Dein Gesichtchen! - Schäme Dich!

Morgen ist sein Glanz erstorben,

Seine Rose blättert sich.

Schwalben, die im Lenze minnen,

Fliehen, wenn der Nordwind weht.

Buhler scheucht Dein Herbst von hinnen,

Einen Freund hast Du verschmäht.

 

In den Trümmern Deiner Schöne

Seh′ ich Dich verlassen gehn,

Weinend in die Blumenszene

Deines Mai′s zurücke sehn.

Die mit heißem Liebesgeize

Deinem Kuss entgegen flohn,

Zischen dem erloschnen Reize,

Lachen Deinem Winter Hohn.

 

Schönheit hat Dein Herz verdorben,

Dein Gesichtchen! - Schäme Dich!

Morgen ist sein Glanz erstorben,

Seine Rose blättert sich -

Ha! Wie will ich dann Dich höhnen!

Höhnen? Gott bewahre mich!

Weinen will ich bittre Tränen,

Weinen, Minna! Über Dich.


Das Gedicht "An Minna" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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