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Wenn ich, o du mein Liebling, dich betrachte,

O Amaryllis, meiner Kunst Gebilde,

Ist′s oft, als ob ich fast der Dichtergilde

Anzugehören für was rechtes achte.

 

Denn, wenn ich dich mit in Gesellschaft brachte,

Wo seinen Rang sonst jeder führt im Schilde,

Dich, die Erzeugte ländlicher Gefilde;

Wer war′s, der da dich zu verachten dachte?

 

Zu zweifeln schien man nicht an deinem Adel,

Schien nicht zu ahnden oder nicht zu ahnen,

Daß du gekommen seist von Hürd′ und Stadel.

 

Wer ist′s nun, der dir so ersetzt die Ahnen?

Das ist der Dichter, der drum ohne Tadel

Sich selbst wohl als ein Pfalzgraf mag gemahnen.


Das Gedicht "Wenn ich, o du mein Liebling" stammt von   (1788 - 1866).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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