Tag meines Lebens!

die Sonne sinkt.

Schon steht die glatte

 

Fluth vergüldet.

Warm athmet der Fels:

schlief wohl zu Mittag

das Glück auf ihm seinen Mittagsschlaf?

In grünen Lichtern

spielt Glück noch der braune Abgrund herauf.

 

Tag meines Lebens!

gen Abend gehts!

Schon glüht dein Auge

halbgebrochen,

schon quillt deines Thaus

Thränengeträufel,

schon läuft still über weisse Meere

deiner Liebe Purpur,

deine letzte zögernde Seligkeit...

 

(Auszug aus: Nietzsche - Dionysos-Dithyramben, "Die Sonne sinkt")


Das Gedicht "Tag meines Lebens" stammt von (* 1844-10-15, † 1900-08-25).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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