Die Krähen schrein

Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:

Bald wird es schnein. -

Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat!

 

Nun stehst du starr,

Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!

Was bist Du Narr

Vor Winters in die Welt entflohn?

 

Die Welt - ein Tor

Zu tausend Wüsten stumm und kalt!

Wer das verlor,

Was du verlorst, macht nirgends halt.

 

Nun stehst du bleich,

Zur Winter-Wanderschaft verflucht,

Dem Rauche gleich,

Der stets nach kältern Himmeln sucht.

 

Flieg, Vogel, schnarr

Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -

Versteck, du Narr,

Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

 

Die Krähen schrein

Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:

Bald wird es schnein. -

Weh dem, der keine Heimat hat.

 

Zweiter Teil: Antwort:

 

Daß Gott erbarm’!

Der meint, ich sehnte mich zurück

In’s deutsche Warm.

In’s dumpfe deutsche Stuben-Glück!

 

Mein Freund, was hier

Mich hemmt und hält, ist dein Verstand,

Mitleid mit dir!

Mitleid mit deutschem Quer-Verstand!

Alternativer Titel: Die Krähen schrei'n / Der Freigeist / Abschied / Heimweh / Aus der Wüste


Das Gedicht "Vereinsamt" stammt von   (1844 - 1900).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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