1786.

 

Da laurt er hinter

Dem Boreas,

Der alte Winter,

Und dörrt das Gras;

Hat mir verhunzet

Des Gartens Zier,

Und knurrt und grunzet

Vor meiner Thür.

 

Er steht und rüttelt

Bei Nacht und Tag

Am Baum, und schüttelt

Die Eulen wach.

Da grinzt und schnaubet

Das Ungetüm

Im Wald, und raubet

Mit Ungestüm.

 

Die Füchse gellen

Vor seinem Zorn;

Bis zu den Quellen

Erstarrt der Vorn.

Er treibt die Rinder

Mir in den Stall,

Und kneipt die Kinder,

Wie Rübezahl.

 

Er thut nicht fremde

Vor Mann und Frau;

Im weißen Hemde

Steht er zur Schau:

Er steht, und rupfet

Am weichen Saum

Der Wolk′, und zupfet

Den weißen Flaum;

 

Und bettet frühe

Wohl ohne Zelt,

Und sonder Mühe,

Auf hartem Feld;

Auch schnarcht und stöhnet

Er manche Nacht

Im See, und dehnet

Sich, daß es kracht.

 

Er äfft possierlich

Dem Frühling nach,

Und kritzelt zierlich,

Im Schlafgemach,

Vor meinem Fenster,

So Blum′ als Wald;

Doch wie Gespenster

Zerrinnt es bald.

 

Auch an den Bäumen

Weiß er gar fein

Mit Reis zu säumen

Die Zweigelein.

Er übt am Himmel

Auch seine Kunst;

Malt Schlachtgewimmel

Aus hellem Dunst.

 

Und Schwerter zischen

In heller Nacht;

Und Riesen mischen

Sich in der Schlacht.

Der Landmann zittert

Beim Ebentheu′r;

Der Küster wittert

Des Krieges Feu′r.


Das Gedicht "Winterlied" stammt von   (1750 - 1819).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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