O lieb, so lang du lieben kannst!

O lieb, so lang du lieben magst!

Die Stunde kommt, die Stunde kommt,

Wo du an Gräbern stehst und klagst!

 

Und sorge, daß dein Herze glüht

Und Liebe hegt und Liebe trägt,

So lang ihm noch ein ander Herz

In Liebe warm entgegenschlägt!

 

Und wer dir seine Brust erschließt,

O tu ihm, was du kannst, zulieb!

Und mach ihm jede Stunde froh,

Und mach ihm keine Stunde trüb!

 

Und hüte deine Zunge wohl,

Bald ist ein böses Wort gesagt!

O Gott, es war nicht bös gemeint -

Der Andre aber geht und klagt.

 

O lieb, so lang du lieben kannst!

O lieb, so lang du lieben magst!

Die Stunde kommt, die Stunde kommt,

Wo du an Gräbern stehst und klagst!

 

Dann kniest du nieder an der Gruft,

Und birgst die Augen, trüb und naß

- sie sehn den Andern nimmermehr -

In’s lange, feuchte Kirchhofsgras.

 

Und sprichst: O schau auf mich herab

Der hier an deinem Grabe weint!

Vergib, daß ich gekränkt dich hab!

O Gott, es war nicht bös gemeint!

 

Er aber sieht und hört dich nicht,

Kommt nicht, daß du ihn froh umfängst;

Der Mund, der oft dich küßte, spricht

Nie wieder: ich vergab dir längst!

 

Er that’s, vergab dir lange schon,

Doch manche heiße Träne fiel

Um dich und um dein herbes Wort -

Doch still - er ruht, er ist am Ziel!

 

O lieb, so lang du lieben kannst!

O lieb, so lang du lieben magst!

Die Stunde kommt, die Stunde kommt,

wo du an Gräbern stehst und klagst!

Alternativer Titel: Der Liebe Dauer


Das Gedicht "O lieb, so lang du lieben kannst" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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