Nein, ich will nicht eher zu Grabe,

eh ich nicht auch die letzten Sprossen

irdischen Glückes erstiegen habe,

eh ich das Leben nicht ganz genossen;

 

eh ich nicht alle Frauen umschlungen,

die mich durch meine Träume begleiten,

eh ich nicht alle Lieder gesungen,

die sich in meinem Herzen bereiten;

 

eh ich nicht alle Werke gestaltet,

die sich dem schaffenden Geist entbinden,

eh ich der Führerpflicht nicht gewaltet,

daß die Menschen ihr Wegziel finden;

 

eh ich nicht fröhliche Augen sehe,

die von Erhebung und Stolz verjüngt sind,

eh ich nicht über Äcker gehe,

die statt mit Tränen mit Freude gedüngt sind.

 

Nimmt der Erlöser dann und Vernichter

von meinen Tagen die lastenden Ketten,

sollt ihr den seligsten Menschen und Dichter

tief in befreites Erdreich betten.


Das Gedicht "Testament" stammt von   (1878 - 1934).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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