Wir Dichter haben viel zu lang
mit kleinem Schicksal uns gebrüstet.
Wenn uns im Wald ein Vogel sang,
wenn Sehnsucht unser Herz umschlang,
dem's wohl nach einem Weib gelüstet, -
dann hielt die Welt den Atem ein,
zu lauschen unsern sanften Liedern,
wärmt sich an unserm Sonnenschein
und ließ die Mädchen herzlos sein,
die unsre Liebe nicht erwidern.

Genug geschwärmt! Genug geträumt!
Genug auf Weidenrohr geflötet!
Steht euer Dichtroß nicht gebäumt,
da rings das Blut in Meeren schäumt
und Brand die Horizonte rötet?
Die Menschheit schluchzt in Tod und Gram. -
Zerreißt der Lauten Saiten, Dichter,
von denen nie ein Weckruf kam!
Verhüllt in Reue und in Scham
vor Gott und Welt die Angesichter!

Doch spürt ihr je die alte Glut
von neuem, - laßt das zage Stöhnen!
Kein Jammern macht Versäumtes gut.
Ruft auf die Welt zum besten Mut,
zur Liebe ruft sie, zum Versöhnen!
Schwört aller Menschheit euern Eid,
der Menschheit, die ihr stets gemieden, -
mit ihr zu sein in Not und Leid!
Nicht Sternenwandler, - Menschen seid!
Und eure Lieder singt dem Frieden!


Das Gedicht "An die Dichter" stammt von   (1878 - 1934).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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