Ich zog einmal ein liebes Kind

in meine Mannesarme.

Da ward es ganz von Liebe blind

und frei von allem Harme.

Doch als ich eine andre nahm,

hat es sie schwer getroffen.

Es standen ihr vor Leid und Gram

die beiden Augen offen.

Und ward sie vorher nur gewahr

in meinem Kuß der Reinheit,

jetzt ward ihr plötzlich offenbar

nur Sünde und Gemeinheit.

O Mensch, vertrau den Menschen nicht

in liebevoller Blindheit.

Das Unheil schlägt dir ins Gesicht

mit seltsamer Geschwindheit.

Die Freuden fallen insgesamt

dir in das trübste Wasser.

Und wie mein Mädchen mich verdammt,

wirst du zum Menschenhasser.


Das Gedicht "Ich zog einmal ein liebes Kind" stammt von (* 1878-04-06, † 1934-07-10).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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