O allerliebstes Eichhorn!

Schon lang steh′ ich vor deinem,

Dir unbequemen Käfig,

Und kann nicht satt mich sehen

An deinen raschen, holden

Bewegungen und Spielen.

Ich möchte gern dich streicheln,

Doch fürcht′ ich deine Zähne,

So scharf, so fein, wie Nadeln.

Nicht ich fürwahr, o Eichhorn,

Hab′ dich in dies Gefängniß

Gesperrt; ich säh′ viel lieber

Dich auf den hohen Gipfeln

Der nahen Bäume hüpfen

Mit Vögeln in die Wette.

Ich möchte gern dein Nest sehn

Mit seinen bald geschloßnen,

Bald offnen Thüren, daß ja

Kein rauher Wind die zarten,

Noch unbedeckten Kinder

Mit kaltem Hauch berühre.

O glücklich Thier! Bewohner

Von zweien Elementen!

Die Erde beut zur Nahrung

Auf niedrigen Gesträuchen

Die Fülle dir der Früchte

Und klaren Thau auf Blättern;

Und deine Freuden findest

Du auf der Eiche Gipfel

Im hohen Reich der Lüfte.


Das Gedicht "Das Eichhorn" stammt von   (1808 - 1825).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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