Zur Zeit der Lese wars im Winzerhaus.

Des Herdes goldne Flamme prasselte,

Die Fensterscheiben überhauchten sich

Und draussen scholl das Evoe geisterhaft

Aus Nebeldämmer. Becher klangen. Jung

Und alt empfand die bacchische Gewalt.

Mit einem zarten Schimmer röteten

Selbst ihr die Wangen sich, die unser Gast

Und dieser Erde Gast nicht lange war,

Ein stilles, scheues, ungezähmtes Kind.

Zum Reigen rief Lyäus. Jene schlich

Sich weg. Ins Freie blickte sie hinaus

Durchs Fenster. Dann beschrieb sie träumerisch

Die ganz sich unbeachtet Wähnende

Die Scheibe mit dem Finger. Weh! umstellt,

Belauert wurde sie von einem Schwarm

Und überfallen. Rasch in Trümmer schlug

Das Antlitz glutbedeckt, die Scheibe sie

Sich selbst verwundend. Dieses Tüchlein hier

Das als Reliquie mir im Schreine liegt

Fing, über die verletzte Hand gelegt

Das Quellen eines Tropfen Blutes auf

Der warm ihr eben erst im Herzen rann.

 

Jung schwand sie hin, und kein Lebendger weiss,

Was dort geschrieben auf der Scheibe stand -

Als dieser bleiche Tropfen Bluts vielleicht.


Das Gedicht "Der Blutstropfen" stammt von   (1825 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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