Der Mondberg-Uhu hat ein Bein,

sein linkes Bein, im Sonnenschein.

Das rechte Bein jedoch des Vogels

bewohnt das Schattenreich des Kogels.

 

Bis hundertfunfzig Grad im Licht

gibt Herschel ihm (zwar Langsley nicht),

im Dustern andrerseits desgleichen

dasselbe mit dem Minuszeichen.

 

Sein Wohl befiehlt ihm (man versteht),

daß er sich stetig ruckweis dreht.

Er funktioniert wie eine Uhr

und ist doch bloß ein Uhu nur.

 

(aus "Galgenlieder")


Das Gedicht "Der Mondberg-Uhu" stammt von   (1871 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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