Sanftes Klavier!

Welche Entzückungen schaffst du in mir,

Sanftes Klavier!

Wenn sich die Schönen

Tändelnd verwöhnen,

Weih′ ich mich dir,

Liebes Klavier!

 

Bin ich allein,

Hauch′ ich dir meine Empfindungen ein,

Himmlisch und rein.

Unschuld im Spiele,

Tugendgefühle

Sprechen aus dir,

Trautes Klavier!

 

Melancholie

Dunkelt die Seele der Spielerin nie,

Heiter ist sie!

Tanzende Docken,

Töne, wie Glocken,

Flößen ins Blut

Rosigen Muth.

 

Sing′ ich dazu,

Goldener Flügel, welch′ himmlische Ruh′

Lispelst mir du!

Thränen der Freude

Netzen die Saite!

Silberner Klang

Trägt den Gesang.

 

Tugend, ach dir!

Unschuld, dir weih′ ich mein liebes Klavier;

Stimmet es mir,

Engel, ihr Hüter

Frommer Gemüther;

Jeder Ton sei,

Himmel, dir treu.

 

Sanftes Klavier!

Welche Entzückungen schaffst du in mir,

Goldnes Klavier!

Wenn mich im Leben

Sorgen umschweben,

Töne du mir,

Trautes Klavier!


Das Gedicht "Serafina an ihr Klavier" stammt von   (1739 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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