Als den Elias unsrer Zeit,

Als Oetingern ein Cherubswagen

Ins Reich von Christus Herrlichkeit

In sanftem Säuseln aufgetragen,

Ließ er den Mantel schnell von Strahlenschultem fliegen;

Er wogte durch die Luft herab -

Und blieb an des Propheten Grab

In sanftem Mondenschimmer liegen.

Viel Modeweise unsrer Zeit,

Zu blind für Oetingers verborgne Herrlichkeit,

Und stolz auf ihr Gewand von Spinneweben,

Verachteten den Mantel; ihn

Vom Grab nur aufzuheben,

War viel zu klein für ihren stolzen Sinn.

Auch Herder kam auf seinem Riesengange

Zum Hügel Oetingers, und funkelt lange

Mit Augenblitz den Mantel an;

Doch wandelt′ er mit kühnen Schritten

Bald wieder fort auf seiner Bahn,

Und dacht′: Mein Mantel ist aus gleichem Stoff geschnitten.

Auch Hahn, des Todten Jünger kam, und stumm

Blieb er am Hügel seines Lehrers stehen;

Sah demuthsvoll hinauf zu Gottes Höhen,

Bückt′ sich, und warf den Mantel um.


Das Gedicht "Oetingers Mantel" stammt von   (1739 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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