Der Tiere schrecklichsten Despoten

Kam unter Knochenhügeln hingewürgter Toten

Ein Trieb zur Großmut plötzlich an.

Komm, sprach der gnädige Tyrann

Zu allen Tieren, die in Scharen

Vor seiner Majestät voll Angst versammelt waren.

Komm her, beglückter Untertan,

Nimm dieses Beispiel hier von meiner Gnade an!

Seht, diese Knochen schenk′ ich euch!-

Dir, rief der Tiere sklavisch Reich,

Ist kein Monarch an Gnade gleich!-

Und nur ein Fuchs, der nie den Ränken

Der Schüler Machiavels geglaubt;

Sprach in den Bart: Hm, was man uns geraubt,

Und bis aufs Bein verzehrt, ist leichtlich zu verschenken.


Das Gedicht "Der gnädige Löwe" stammt von   (1739 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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