Auf der Kindheit längst vergangnen Tagen

Weilet oft mein still umwölkter Sinn,

Und aus meinem Herzen brechen Klagen,

Dass ich nun nicht mehr so glücklich bin!

 

Angestrahlt vom Morgenroth des Lebens,

Lachte mir der Frühling überall!

Keine Blume blühte mir vergebens -

Melodie war mir der Wasserfall.

 

Unbekannt mit schmerzlichen Gefühlen,

Rauschte harmlos, wonnevoll und frei

An der Seite lustiger Gespielen

Mir vorüber meiner Kindheit Mai.

 

Aber dauernd prägten sich die Bilder

Seiner reinen Freuden mir in′s Herz,

Und des Lebens Dunkel wird mir milder,

Denk′ ich ihrer mit der Sehnsucht Schmerz.

 

Darum kehr′ ich gern in deine Fluren

Stilles Dörfchen, aus dem Lärm der Welt,

Denn in dir begegnen mir die Spuren

Jener Zeit, die noch kein Gram entstellt.

 

Lächelnd grüsst mich jedes Plätzchen wieder,

Wo ich mich im heitern Spiel verlohr,

Und noch tönt, süss wie Sirenenlieder,

Klarer Bach, dein Flüstern meinem Ohr.

 

Goldne Zeiten, wo ich, gleich der Biene,

Honig in dem kleinsten Blümchen fand!

Wo die kindlich ungetrübte Miene

Noch der Flor der Wehmuth nicht umwand.

 

Goldne Zeiten - euerm Angedenken

Werd′ ich oft in stiller Einsamkeit

Augenblicke der Erinn′rung schenken,

Thränen - euerm frühen Glück geweiht.

 

Möchte einst der Abend meiner Tage

Mild und freundlich wie der Morgen seyn,

O dann trüg ich mit verstummter Klage

Jetzt des Mittags schwülen Sonnenschein.


Das Gedicht "Andenken der Kindheit" stammt von   (1777 - 1849).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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