So fein sind Hand und Fuss, so weich der Hüften Biegen,

Europens Schönste müsst′ im Wettstreit dir erliegen;

Des Künstlers Blick voll Lust den holden Körper schaut

Und deiner Augen Samt, der schwärzer als die Haut.

Da, wo dein Gott dich schuf in heissen, blauen Gründen,

Ist deine einzige Pflicht, des Herren Pfeife zünden.

Mit Wasser duftend frisch füllst du für ihn den Krug

Und wehrst von seinem Bett der giftigen Mücken Flug.

Und wenn im Morgenwind leis singen die Platanen,

Kaufst du dir Ananas und saftige Bananen.

Auf nacktem Fuss läufst du, wohin dein Herz dich zieht,

Und trällerst vor dich hin ein altes, fremdes Lied.

Und senkt der Abend dann des Scharlachmantels Schatten,

Streckst du die Glieder sanft auf den geflochtenen Matten,

Und Träume flattern auf, den bunten Vögeln gleich,

Beschwingt und zart wie du, wie du an Anmut reich.

Was zieht dich, glücklich Kind, nach unsrem fernen Lande,

Von Menschen übervoll und voll von Leid und Schande,

Dass du dich anvertraust den Schiffern und den Winden

Und heissen Abschied nimmst von deinen Tamarinden?

Du, halbbekleidet nur mit zartem Musselin,

Wenn dich der Hagel trifft, Schneestürme dich umziehn,

Wie wirst du weinen um die Tage, die verrannen,

Wie wird der Schnürleib dir die Hüften roh umspannen!

Und wenn du müde ziehst durch unsren Schlamm und Kot,

Den seltsam fremden Reiz verkaufst ums Abendbrot,

Dann wird dein Auge starr durch trübe Nebel träumen,

Dann siehst du fern und wirr Schatten von Kokosbäumen.


Das Gedicht "An eine Malabaresin" stammt von   (1821 - 1867).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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