Der Wein verwandelt oft die schmutzigsten Spelunken

In Schlösser voller Märchenpracht,

Und Säulenhallen er vor uns erstehen macht

Aus rotem Dunst und goldnen Funken,

Wie eine Sonne, die versinkt in Nebelnacht.

 

Das Opium weitet aus, was ohne Grenz′ und Schranken,

Es dehnt die Unermesslichkeit,

Es höhlt der Wollust Rausch, vertieft das Meer der Zeit,

Und mit Genüssen, schwarzen, kranken

Macht es die Seele übervoll und weit.

 

Nichts aber gleicht dem Gift aus deinen grünen Augen,

Den tiefen Seen, drin gramerfüllt,

Verzerrt und zitternd malt sich meiner Seele Bild,

Aus denen durstige Träume saugen

Die tiefe Bitternis, die Qualen weckt und stillt.

 

Nichts aber gleicht dem Gift, dem Gift von deinem Munde,

Das in mir wühlt und mich verzehrt,

Die Reue tötet und schamlos Vergessen lehrt,

Den Wahnsinn träufelt in die Wunde

Und mit dem irren Geist taumelnd zur Hölle fährt.


Das Gedicht "Das Gift" stammt von   (1821 - 1867).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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