Als ob ein Toter im Grabe müd und wund

nach Leben riefe,

sucht mein Lied sich zu dir mit klagendem Mund

aus dunkler Tiefe.

 

Laß lauschen dein Ohr, deine Seele dem Klang

meiner Zither:

für dich, für dich nur gilt mein Gesang ...

so süß, so bitter.

 

Ich singe von goldlichter Augen Pracht

voll süßem Frohlocken,

von selig vergessendem Traum in der Nacht

schwarz wallender Locken.

 

Als ob ein Toter im Grabe müd und wund

nach Leben riefe,

sucht mein Lied sich zu dir mit klagendem Mund

aus dunkler Tiefe.

 

Und ich sing von der wonnigen Wundergestalt

deiner Glieder,

in schlaflosen Nächten voll Sehnsucht umwallt

ihr Duft mich wieder.

 

Und ich denke der Glut deiner Küsse dazu,

mich entseelend,

und der Lust, mit der du mich quältest, o du ...

mein Engel! mein Elend!

 

Laß lauschen dein Ohr, deine Seele dem Klang

meiner Zither:

für dich, für dich nur war, was ich sang ...

so süß, so bitter!


Das Gedicht "Serenade" stammt von   (1864 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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