Mitunter freilich kommen Stunden:

und was du nie bewußt empfunden,

gleich einem grauen Regen regnet′s dir ins Herz,

und wie ein scheuer Bettler bleibst du stehn,

verstohlen durch die Hecken zu spähn,

hinter denen sie sitzen und plaudern und lachen,

fröhliche Menschen in fröhlichen Kleidern ...

plaudern, lachen, singen und küssen

so leichten Bluts,

so frohen Muts:

 

Als ob es all das Schwere gar nicht gäbe,

an das du so viel Kraft verfehlst!

als ob der Kampf, von dem du sprichst,

und all die Müh und Sorge ... nichts!

als ob es eitel Hirngespinste,

worüber du dich härmst und quälst!

und als ob allen, die da sitzen

so kinderfroh

und singen und spielen, tanzen und küssen,

erfüllt schon längst,

was du als letzten Dank dir denkst,

als Endlohn für Jahre voll Kampf und Schmerz ...

 

Und wie ein grauer Regen regnet′s dir ins Herz

und wie ein Bettler drückst du dich von dannen

einsam

deinen einsamen Weg.


Das Gedicht "Mitunter freilich kommen Stunden" stammt von   (1864 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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