An der Mauer stand mit Kreide: Sie wollen den Krieg.
Der es geschrieben hat, ist schon gefallen.
Im Kalender ist der Tag noch nicht verzeichnet.
Alle Monate, alle Tage liegen noch frei.

Einer der Tage wird angekreuzt werden.
Die Konstrukteure hocken gekrümmt
in den Zeichensälen: eine falsche Ziffer,
und die Städte des Feindes bleiben unzerstört.

Aus den Bücherhallen treten die Schlächter.
Die Kinder an sich drückend, stehen die Mütter
und erforschen entgeistert den Himmel
nach den Erfindungen der Gelehrten.

Wenn es zum Marschieren kommt, wissen viele nicht,
daß ihr Feind an ihrer Spitze marschiert.
Die Stimme, die sie kommandiert, ist die Stimme des Feindes.
Der da vom Feind spricht, ist selber der Feind.

Quelle: „Deutsche Kriegsfibel“ (entstanden 1936/37 im dänischen Exil)


Das Gedicht "An der Mauer stand mit Kreide" stammt von   (1898 - 1956).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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