Zürne nicht/ betrübtes hertze!

Denn die lebens-volle kertze

Meiner liebe brennet noch.

Phyllis mag die hoffnung haben;

Dein verstand und deine gaben

Bleiben doch mein süsses joch.

 

Ist es möglich/ daß du weinest?

Ist es möglich/ daß du meynest/

Daß ich dich verlassen kan?

Ey so schaue doch von fernen/

Auch einmahl bey andern sternen

Dich/ o sonne/ selber an.

 

Dein erhobnes angesichte

Machet allen glantz zu nichte/

Der die blinde welt bethört.

Phyllis selbst muß mit betrüben

Sich in deinen mund verlieben/

Wenn sie deine lieder hört.

 

Alle junge schäferinnen/

Fliehen mit gedult von hinnen/

Wenn sie dich/ o wunder/ sehn.

Zephyr steigt aus seinen hölen/

Deine brüste zu beseelen/

Und von neuem auffzuwehn.

 

Venus wird von zorn entzündet;

Weil sie alles an dir findet/

Was ihr nur allein gebührt:

Wie solt′ ich denn/ schönste Nymphe/

Dir zu trotz und mir zum schimpffe

Hassen/ was die götter rührt?

 

Dencke selbst/ ich bin getrieben.

Ich will/ soll/ und muß dich lieben.

Nichts reist meinen fürsatz ein.

Denn was du einmahl gebohren/

Muß/ geht alles gleich verlohren/

Dennoch unvergänglich seyn.


Das Gedicht "Auff ihre eifersucht" stammt von   (1665 - 1729).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte