Auf den dunkeln, nächt′gen Wolken
Sitzt Werpega, schaut und sinnt -
Wird ein Erdenkind geboren,
Knüpft sie Fäden an und spinnt;
Und in jeden Schicksalsfaden
Spinnt sie emsig Lust und Leiden,
Aber an des Fadens Ende
Glänzt ein Stern für jedes Kind
Wenn der Tod zwei Augen schließet,
Reißt der Schicksalsfaden ab,
Und vom Himmel sinkt erbleichend
Dann ein heller Stern herab;
Neue Sterne knüpft Werpega
Wieder still an neue Fäden,
Schauet ernst aus nächt′gen Wolken
Auf die Wiege, auf das Grab.
Das Gedicht "Litthauische Sage" stammt von Auguste Kurs (1815 - 1892).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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