So arm, so elend ist kein Mensch hienieden,

So ganz dahingegeben nur dem Leid,

Daß ihm nicht auch ein Schein von Glück geblieben,

Sei es ein Bild nur aus vergangner Zeit;

Daß er nicht einen Traum im Herzen hegte,

Und blieb′ er ewig in dem stillen Reich,

Daß er nicht liebend eine Blüthe pflegte,

Und wäre sie auch längst verwelkt und bleich.

Ja wäre auch das Herz nur eine Wunde,

Doch blickt gewiß wohl jeder Mensch zurück

Auf eine einz′ge schöne Freudenstunde,

Vielleicht auf einen sel′gen Augenblick.

Die welke Blume läßt er aus dem Kranze

Von Dornen nicht, den ihm das Schicksal bot,

Die Freudenstunde bleibt ihm in dem Glanze

Der liebenden Erinn′rung bis zum Tod.

Dann wird er sterbend auf das Bild noch blicken,

Bis ihm der Tod den Schleier drüber legt,

Und an die Brust wird er die Blume drücken,

Bis unter ihr das Herz nicht wieder schlägt.


Das Gedicht "Trost" stammt von   (1815 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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