Kein Wort, und wär es scharf wie Stahles Klinge,

Soll trennen, was in tausend Fäden eins,

So mächtig kein Gedanke, daß er dringe

Vergällend in den Becher reinen Weins;

Das Leben ist so kurz, das Glück so selten,

So großes Kleinod, einmal sein statt gelten!

 

Hat das Geschick uns, wie in frevlem Witze,

Auf feindlich starre Pole gleich erhöht,

So wisse, dort, dort auf der Scheidung Spitze

Herrscht, König über alle, der Magnet,

Nicht fragt er, ob ihn Fels und Strom gefährde,

Ein Strahl fährt mitten er durchs Herz der Erde.

 

Blick′ in mein Auge, - ist es nicht das deine,

Ist nicht mein Zürnen selber deinem gleich?

Du lächelst - und dein Lächeln ist das meine;

An gleicher Lust und gleichem Sinnen reich;

Worüber alle Lippen freundlich scherzen,

Wir fühlen heil′ger es im eignen Herzen.

 

Pollux und Kastor, - wechselnd Glühn und Bleichen,

Des einen Licht geraubt dem andern nur,

Und doch der allerfrömmsten Treue Zeichen. -

So reiche mir die Hand, mein Dioskur!

Und mag erneuern sich die holde Mythe,

Wo überm Helm die Zwillingsflamme glühte.


Das Gedicht "An Levin Schücking" stammt von   (1797 - 1848).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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