Schrecken / und Stille / und dunckeles Grausen / finstere Kälte bedecket das Land
Itzt schläft was Arbeit und Schmerzen ermüdet/ dies sind der traurigen Einsamkeit Stunden.
Nunmehr ist / was durch die Lüfte sich reget / nunmehr sind Menschen und Tiere verschwunden.
Ob zwar die immerdar schimmernde Lichter / der ewig schitternden Sternen entbrannt!

Suchet ein fleißiger Sinn noch zu wachen? der durch Bemühung der künstlichen Hand /
Ihm / die auch nach uns ankommende Seelen / Ihm / die anitzt sich’ hir finden verbunden?
Wetzet ein blutiger Mörder die Klinge? will er unschuldiger Herzen verwunden?
Sorget ein Ehren-begehrend Gemüte / wie zu erlangen ein höherer Stand?

Sterbliche! Sterbliche! lasset diß dichten! Morgen! Ach Morgen Ach muß man hinziehn!
Ach wir verschwinden gleich als die Gespenste / die um die Stund uns erscheinen und fliehn.
Wenn uns die finstere Gruben bedecket / wird / was wir wünschen und suchen zu nichte.

Doch / wie der glänzende Morgen eröffnet / was weder Monde noch Fackel bescheint:
So / wenn der plötzliche Tag wird anbrechen / wird was geredet gewürcket / gemeint.
Sonder vermänteln eröffnet sich finden vor des erschrecklichen Gottes Gerichte.


Das Gedicht "Mitternacht" stammt von   (1616 - 1664).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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