XI

 

Der Mutter enger Leib hilt erstlich dich gefangen /

Als deine Seele ward in Fleisch und Bein verstrickt;

So bald du dises Licht / das süsse Licht erblickt /

Bist du in neue Band und Kercker eingegangen.

 

Was ist die grosse Welt? ein Blockhauß / da verlangen /

Vnd Angst und schwere Noth mit strengen Fesseln drückt /

Wenn uns der freye Tod / aus disen Ketten rückt/

Denn nimbt die Grufft in Hafft / die gantz erblaßten Wangen.

 

Was ist die Freyheit doch / die nirgend wird gefunden?

Du bist eh’ als du bist / und weil du bist / gebunden;

Du bindest dich selb-selbst in Furcht und Sorgen ein.

 

Doch! wer mit schnellem Geist kan durch die Wolcken rennen /

Vnd Stricke / die Verlust und Hoffnung würckt / zutrennen;

Kan /ob ihn Diamant gleich bünde /freye seyn.


Das Gedicht "An den gefangenen Dicaeus" stammt von   (1616 - 1664).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte