XLVI.

 

Gehabt euch alle wol O Erden gute Nacht!

Ihr Himmel, ich vergeh! umbsonst hat meine Wunden /

Mit so vil wehrtem Fleiß Callirhoe verbunden!

Man hat umbsonst an mich / so libe Schreiben bracht!

 

Uranie, umbsonst hab ich so vil gewacht!

Eugenie, ich bin eh’ als ihr meynt verschwunden.

Die kalte Brust erstarrt / der Pulß wird nicht mehr funden:

Die Augen brechen mir; der matte Geist verschmacht.

 

Sol ich mein Vaterland / sol ich dich nicht mehr schauen?

Sol ich mein todtes Pfand der frembden Grufft vertrauen?

Scheid ich Eugenie ohn eurn Abschid-Kuß?

 

Mein Licht! ihr werdet mir die Augen nicht zudrücken:

Und mit Cypressen mich und Lorber-Zweigen schmücken.

Der Myrten acht ich nicht: weil ich verwelcken muß.


Das Gedicht "An die Freunde" stammt von   (1616 - 1664).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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