An der Veste Wall und Warten,

Die dich zügeln soll, Florenz,

Lehnt sich deines Fürsten Garten,

Blüthenvoll im sonn’gen Lenz.

 

Doch des Schlummers süße Schlinge

Hält die Wacht am Wall umfahn,

Rost zerfraß des Kriegers Klinge,

Seiner Flinte fehlt der Hahn.

 

Tief wohl schläft er; ihn umdüstert

Keine Ahnung der Gefahr.

Hört er’s nicht, wie’s unten flüstert

Droh’nd aus der Belag’rer Schaar?

 

Sieht er nicht im Thale blinken

Federbüsche aller Art,

Hundertfarb’ge Fähnlein winken,

Denen, Lenz, dein Heer sich schaart?

 

Und doch blasen aus den Beeten

Wie ein Janitscharenchor

Tausend blühende Trompeten

Schon zum Sturm, zum Sturm empor!

 

Und doch schwebt schon ob der Veste

Eine Lerch’ als Luftballon,

Die vom Feindesheer die beste

Kundschaft bringt als dein Spion!

 

Schwert- und Feuerlilie schwingen

Waffen hoch im Zornesmuth,

Jene scharfe breite Klingen,

Diese rothe Luntengluth.

 

Mit den breiten grünen Tatzen

Haut der Feigenbaum die Wand;

Tausend Blumenknospen platzen,

Wie im Peloton entbrannt!

 

Bravo! Wie ein Hagelschauer

Schwarzer Flintenkugeln hängt

Rings entlang der Veste Mauer

Traub’ an Traube dicht gedrängt!

 

Goldorangenbomben stecken

Allerwärts im Mauernritz;

Lenz, du führst gar tapfre Recken,

Lenz, du führst gar gut Geschütz!

 

Legst Spaliere und Stacketen

Als Sturmleitern an den Wall,

In die luft’gen Sprossen treten

Deine blüh’nden Stürmer all!

 

Ha, Verrath selbst in der Veste!

Helfend reicht am Wallesrand

Eine Rose, froh der Gäste,

Rasch den Klimmern ihre Hand!

 

Blüthenrank’ und Epheu standen

Schon am Walle bei der Wacht’,

Die sie knebelten und banden,

Als sie noch zu träumen dacht’.

 

Solchem Sieg zum Ehrenbogen

Wölbt aus Silbersäulen hell,

Von Demantenstaub umflogen,

Sich des Gartens Springequell.

 

Deiner Truppen Banner ragen,

Lenz, nun auf den Wellen dort;

Ha, wer wagt’s, die zu verjagen?

O wie stark ist solch ein Fort!

 

Still doch, still! da, dessen Leier

Nie von Schmeichelliedern klang,

Eben eines Fürsten Feier

Unbewußt begeistert sang!

 

Jenes Fürsten Preis und Ehre,

Deß Palast dort, duftumweht,

Mitten in der Stürmer Heere,

Wie die Burg des Lenzes, steht!


Das Gedicht "Fort Belvedere" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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